Südtirol

 

Einleitung

Vom 20. Juli bis 3. August 2008 waren wir zu Gast bei Familie Trompedeller im Haus Trögl in Tiers am Rosengarten. Dies ist der Bericht unseres ersten gemeinsamen Urlaubs in Südtirol; Ankes erster Wanderurlaub.

Tiers ist touristisch noch nicht zu überlaufen und schön ruhig. Unser Quartier war Jens bereits durch zwei Urlaube mit seinen Eltern bekannt und es hätte diesmal passender nicht sein können. Unser Zimmer im Parterre war sehr sauber, hatte Bad mit WC und Dusche. Der Clou war ein zusätzliches Zimmerchen mit einem dritten Bett und Schrank. Dies wurde von uns als Technik-Raum, Vorratskammer und Garderobe genutzt.

Im eigentlichen Zimmer standen ein Schrank, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein kleiner TV und eine große Couch. Über der Couch hing eine Landschaftsaufnahme von Tiers, die Jens´ Vater vor einigen Jahren gemacht hatte. Familie Anton hinterlässt Spuren …

Einziger Wehrmutstropfen war die Küche direkt über unserem Zimmer. Wirklich gestört hatte es nicht, da wir morgens sowieso recht früh auf den Beinen und abends schön müde waren.

Frühstück gab es in der Regel ab 7:30 Uhr. Im Angebot war alles was unser Herz begehrte: Kaffee- und Teevarianten, Wasser- und Roggenbrötchen (südtiroler Art), Brot, frischer Obstsalat, Naturjoghurt, verschiedene Zutaten für Müsli, diverse Marmeladen, Honig, Wurst und Käse, Tomate und Ruccola, O-Saft, Zitronenwasser und frische Milch. Auf Wunsch gab es ein frisch gekochtes Ei und sonntags ein Stück selbst gemachten Kuchen.

Frau Trompedeller machte für ihre Gäste fast alles möglich. So gab es in Ausnahmen das Frühstück bereits um 5:30 Uhr. Unsere Sonderwünsche wurden nicht fast, sondern immer erfüllt.

Wenn das Wetter mitspielte, konnte man auf dem Balkon frühstücken. Während unserer Zeit waren wir allerdings meist allein auf dem Balkon, obwohl die Sonne uns morgens an den meisten Tagen anlachte.

An welchen Tagen dies nicht der Fall war und was wir am Tage erlebten, berichten wir auf den folgenden Seiten.

20. Juli – Die Anreise

Nach Südtirol sind wir am Sonntag, den 20. Juli um 4:00 Uhr von Hessen aus gestartet. Alles lief nach Plan, das Wetter war wie man es sich vorstellt.

Bei Sonnenaufgang waren wir bereits am Rasthof Würzburg. Das Rasthaus dort war schön, das Personal jedoch zu Anke nicht gerade freundlich. Der Parkplatz selbst war sehr vermüllt und man kam sich vor wie bei „Die Vögel“, denn überall waren Krähen. Vor einem Van aus den Niederlanden lagen südländische Männer auf Matten und schliefen. Die Frauen waren schon wach und blieben im Wagen.

Die nächste Pause war dann in Vaterstetten bei München, die Sonne schien und viele machten gegen 9:00 Uhr Pause. Dementsprechend sah es auch auf den Toiletten aus. Auf dem Parkplatz haben wir unseren Wagen nicht allein gelassen und so hatte einer immer Zeit, das Geschehen rund ums Auto anzusehen. Neben den ganzen unterschiedlichen interessanten Menschen waren auch einige Beinahe-Unfälle zu beobachten. Man hielt immer die Luft an.

Auf dem Weg nach Österreich fing es dann mit dem Regen an und es wurde immer dunkler. Der rücksichtsloseste LKW auf dem ganzen Weg stammte aus Jens´ früheren Heimat und es waren überhaupt recht viele Hessen und Hamburger unterwegs. Auf Jens´ Kommentar zur Fahrweise des Truckers sagte Anke nur: „Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche!“

Je näher wir nach Bozen kamen, desto besser wurde das Wetter und die Sonne kam wieder raus. Bei leichten Wolken und Sonnenschein erreichten wir gegen 13:00 Uhr dann unser Ziel und wurden vom Hausherren begrüßt. Dann hieß es auspacken und Mittagsschlaf halten. Im Anschluss machten wir uns zu Fuß zur Tschaminschwaige auf. Früher konnte man dort gut zu moderaten Preisen essen. Nach Angaben unser Gastgeberin sollten es 45 Minuten Fußweg sein. Der Sonnenschein war inzwischen dunkleren Wolken gewichen und es sah wie auf der Aufnahme aus.

Nach der kurzen Nacht, der langen Fahrt und den schwülen Temperaturen gaben wir jedoch total durchgeschwitz nach 25 Minuten auf, gingen zurück, duschten und fuhren mit dem Wagen dorthin.

Für den Tag eine gute Entscheidung, denn das Essen war fast noch so wie erhofft, nämlich lecker und der Preis schien uns auch angemessen. Kurz nachdem wir unseren Grillteller gegessen hatten und zurück im Quartier waren, kam das erste Gewitter für diesen Urlaub. Es sollte nicht das letzte sein!

 

21. Juli – Erster Spaziergang zur Kapelle St. Sebastian

Unsere erste Nacht war um 7:00 Uhr beendet. Die nächtlichen Gewitter sorgten zwar für eine Unterbrechung der Nachtruhe, wir fühlten uns dennoch schon ein gutes Stück erholt.

Draußen strahlte bereits die Sonne vom Himmel und an den Bergen waren die letzten Dunstwolken des Gewitters zu sehen. Die Temperaturen waren am Morgen wirklich erfrischend, dennoch ließen wir uns unser erstes Frühstück auf dem Balkon nicht nehmen. Ein Spatz leistete immer wieder auf dem First Gesellschaft und gab seine Stimme zum besten. Er sollte eigentlich noch fotografiert werden, bis Jens seine Kamera dabei hatte, hatte er die Angewohnheit, uns ein Ständchen zu geben, wieder eingestellt.

Nachdem Anke im Bad fertig war und die Rucksäcke gepackt waren, machten wir uns um 10:00 Uhr auf zur ersten kleinen Tour. Die Wege und die Gräser waren noch richtig naß vom Regen. Diese kurze Tour führte uns zum Völsegg und zurück über die Pestkapelle St. Sebastian. Das Wetter war herrlich zum wandern.

An der Kapelle sah und grüßte man eine Familie, die sich einen schönen Tag machte. Oma war mit dabei.

Zurück waren wir bereits um 14:00 Uhr und wir genossen die Möglichkeit des Mittagsschlafes. Am Nachmittag wurden noch ein paar Besorgungen im Ort gemacht, die Venedigfahrt gebucht und Postkarten gekauft. Auf dem Parkplatz trafen wir die Familie von der Kapelle wieder und man grüßte sich erneut. Im Falle eines weiteren Aufeinandertreffens beschlossen wir, sie anzusprechen. Dem Wagen nach handelte es sich um Italiener; wir sprechen kein Italienisch, dann würden wir es mit Englisch versuchen…. Sie wirkten einfach sehr sympathisch. Leider sahen wir sie nicht mehr.

Um Anke mehr vom Tal zu zeigen, fuhren wir noch zum Nigerpaß. Von dort beobachteten wir einen Heli, der im Rosengartenmassiv wieder Bergsteiger „einsammeln“ durfte. Jens genoss die ersten Fahrten in den „Tornanti“.

Abendessen wollten wir dann im „Hotel Rosengarten“. Früher war das mal eine der besseren Adressen im Ort. Leider hatte sich das in den 16 Jahren geändert und wir erwischten das schlechteste Essen, was wir je gegessen hatten. Wir fotografierten es auch nicht. Die beiden Bedienungen kann man nur als merkwürdig beschreiben. Als wir davon im Quartier berichteten, schlugen die nur die Hände überm Kopf zusammen und sagten „Um Gottes Willen!“. Das sagt alles!

So ging unser erster richtiger Urlaubstag zu Ende und wir waren auf die nächsten sehr gespannt.

22. Juli – Seiser Alm – Puflatsch und viel Kälte

Der Morgen startete wieder pünktlich um 7:00 Uhr, mit einem prüfenden Blick nach draussen. Die Aussicht versprach einen wettertechnisch interessanten Tag. Zwar war es etwas frischer als die Tage zuvor, wir wagten uns trotzdem gegen 7:45 Uhr auf den Balkon zum Frühstück. Allerdings mit Pulli. Sicherlich ernteten wir den ein oder anderen kritischen Blick. Denn alle anderen Gäste frühstückten drin.Trotz ein paar grauer Wolken, die am Schlern vorbei zogen, machten wir uns mit dem Auto auf den Weg Richtung Seiser Alm. Leider kamen wir nicht ganz hoch. Seit 2004 darf man dort nur noch als „Anlieger“, sprich Hotelgast, zu bestimmten Zeiten rauffahren. So kehrten wir um und fuhren zur Seiser Alm-Seilbahn, einem Kabinenlift (von uns „La Gondola“ getauft). Mit „La Gondola“ kamen wir wohl behalten auf dem Compatsch an.Wie gut, hatten wir alle Jacken mitgenommen. Es war s****ehr kalt. Nachdem wir uns also schön warm angezogen hatten und nach kurzer Überlegung ob nun: Sessellift hoch und runter, nur hoch fahren und zu Fuß runter oder umgekehrt, entschieden wir uns für den Aufstieg zum Puflatsch.

Es hat sich gelohnt! Das Panorama war klasse. Das einzige, was störte: die Kälte, je höher man kam. Der Wind pfiff und rundherum gab es immer wieder Regenschauer.

An der Hütte angekommen, genehmigten wir uns lecker Speckknödel in Suppe, Spinatknödel mit brauner Butter und zum Nachtisch Apfelstrudel – mit Rosinen… . Das heißt, Jens hat die Rosinen gegessen, Anke den Rest. Das Ganze war preiswert und lecker. Wer Knödel mag, wird Südtirol lieben! Hier kommt man in Sachen Knödeln voll auf seine Kosten.

Frisch gestärkt und aufgewärmt begutachteten wir noch die nähere Umgebung. Unter anderem den Platz, an dem die „Schlernhexen tagen“.

Abwärts ging es dann per Sessellift. Leider mußte Anke ihre erste Fahrt in so einem Ding allein absolvieren. Es war ein Einsitzer-Lift. Sie war froh, als sie unten festen Boden unter den Füssen hatte… . Die nächste Etappe war dann kein Problem, „La Gondola“ brachte uns zusammen nach ganz unten.

Nach unserer Berg- und Talfahrt wollten wir mal schauen, wo die berühmten Kastelruther Spatzen herkommen. Im Heimatort der Spatzen war es ziemlich voll und es gab für uns nichts besonderes an Architektur zu entdecken. Einmal in die Kirche, einmal aussen rum, eine Gasse entlang marschiert, das wars. Zum Glück führte uns eine Eingebung direkt zu einer kleinen versteckten, unscheinbaren Eisdiele. Das Eis schmeckte lecker-lecker! Eis-schleckend machten wir uns auf den Weg zum Auto und sagte Kastelruth fürs erste „Auf Wiedersehen“. Wir wollten aber in dem Urlaub auf jeden Fall nochmal wieder kommen. Und wenn es nur zum Eis essen ist.

„Zu Hause“ gab es ein kleines Schläfchen und danach Abendessen auf dem Zimmer: Schüttelbrot (hartes, rundes Fladenbrot mit Fenchelsamen und Kümmel drin), hessische Wurst, Pfefferminztee von den Gastgebern und nach Tomaten schmeckende Tomaten vom Kastelruther Supermarkt.

23. Juli – Nigerpass, Karersee, Pordoijoch, Wolkenstein

Wie immer sind wir um 7:00 Uhr aus dem Bett gekrochen, waren um 8:00 Uhr beim leckeren Frühstück. Von den anderen Gästen war niemand zu sehen und selbst uns war es an diesem morgen zu kalt für das Frühstück auf dem Balkon. Um 9:00 Uhr machten wir uns auf zur geplanten Auto-Pass-Tour.Erstes Ziel, nach der Fahrt über den Nigerpass, sollte der Karersee werden. Doch es war für dortige Verhältnisse das Verkehrschaos pur. Die PKWs standen an jeder noch so kleinen Parkmöglichkeit und wir hofften auf rücksichtsvoll fahrenden Gegenverkehr. Grund für das Chaos war die Baustelle am Karersee, die wohl den eigentlich Parkplatz blockierte.Wir liessen uns davon abschrecken und sind ohne Halt über den Karerpass durch das noch vollere Canazei zum Pordoijoch gefahren.  Die Fahrt im Tal dorthin glich der Rushhour in Hamburg oder Frankfurt in Kombination mit italienischen Verhaltensweisen von Fussgängern. Wer bremst oder stehen bleibt, der verliert.Am Pordojoch machten wir uns mit der Seilbahn auf nach oben. Es wurde alles angezogen, bzw. eingepackt was wärmen könnte. Und das war gut so! Der Ausblick dort oben war herrlich, so schön schaurig schön. Einige Schneeflocken wehten uns ebenfalls um die Nase.

Die Aussicht war klasse und unserem Kreislauf machte die Höhe recht wenig aus. Wider erwarten war Anke auch recht unternehmungslustig und wir liefen noch etwas dort oben rum. Ambitionen, zu einer Hütte zu gehen, hatten wir an diesem Tag jedoch nicht.

Die Rückfahrt ging dann über Wolkenstein und St. Ulrich. Es war einiges an Verkehr unterwegs und es war nicht so sehr einladend, um einen weiteren Stopp zu machen. So waren wir um 17:00 Uhr zurück.

Zum Abendessen ging es dann zu Fuss zum „Edelweiss“ und wir probierten Gröllnudeln und Knödeltris. Alles war gut und sehr sättigend, wobei die Nudeln nicht so unser Fall waren.

Ankes Notiz am Abend: „Sehr kurvig und anstrengend. Hat trotzdem Spaß gemacht!“

24. Juli – Venedig

Lange vor unserer Anreise hatten wir uns vorgenommen, einen Tagesausflug nach Venedig zu machen. Dies haben wir dann auch gleich am ersten Urlaubstag im Tourismus-Büro in Tiers gebucht.Dieser Venedig-Tag ging noch früher los als sonst. Der erste Wecker klingelte um 4:30 Uhr und der zweite um 4:45 Uhr. Duschen fiel um diese Uhrzeit aus, da kein warmes Wasser aus dem Duschkopf kommen wollte. Frau Trompedeller hatte uns je zwei Brote und Brötchen zum mitnehmen fertig gemacht. Müsli stand sogar auch schon bereit. Ein klasse Service des Hauses! Auf diesem Wege nochmals: Vielen Dank!Wir waren pünktlich um 6:00 Uhr am Treffpunkt am Brunnen in Tiers und es ging mit fünf anderen Urlaubern per Kleinbus weiter zum Treffpunkt mit dem großen Reisebus. In diesem waren dann fast 70 Personen auf dem Weg nach Venedig. Die Fahrt führte entlang des Etsch und je südlicher wir kamen, desto wärmer wurde es. Während der Fahrt wurden wir von der Reiseleiterin über die Möglichkeiten, Gefahren und weitere Reisedetails für unseren Venedigbesuch informiert.In Venedig lief alles wie geplant, wir wurden mit dem Taxi-Schiff in die Nähe des Markusplatzes gebracht. Mit den anderen Massen von Menschen wurden wir auf Venedig losgelassen. Jeder konnte sich die Zeit frei einteilen, so machten wir uns erstmal auf die Suche nach einer Toilette. Die war recht schnell gefunden und wider erwarten sogar relativ sauber. Wenn auch mit 1,- EUR nicht ganz billig.

Im Anschluss folgten wir den Massen zur Rialtobrücke. Dort war es einfach sehr überfüllt und wir gingen in Richtung Studentenviertel, wo es mit jedem Meter ruhiger wurde. Leider reichte die Zeit nicht, den geplanten Weg in Ruhe fortzusetzen, und wir machten uns gegen 13:00 Uhr zurück und stoppten bei einem kleinen Bäcker,  wo wir uns ein kleines Stück Pizza und ein Olivenbrot kauften. Dies war auch noch sehr preiswert.

Eine halbe Stunde später waren wir schon wieder zurück auf dem Markusplatz. Die Schlange um auf den Markusturm zu gelangen, war relativ kurz und so statteten wir der Aussichtsfläche einen Besuch ab. Der Preis für die Fahrt nach oben lag bei 8,- EUR pro Person. Von dort oben hatten wir einen wunderbaren Blick über Venedig, was echt empfehlenswert ist.

Danach hieß es Abschied nehmen von Venedig und uns blieb nur noch Zeit auf dem Weg zum Boot Getränke zu kaufen. Um 15:25 Uhr legte das „Taxi“ sehr pünktlich ab. Um 19:45 Uhr waren wir dann zurück am Brunnen in Tiers.

Ein paar generelle Tipps zu Venedig:
- nicht in der Hauptsaison hinfahren, da zu überfüllt
- am Markusplatz keinen Kaffee bestellen, liegt bei 30,- EUR
- in den Nebenstrassen sind die Getränke viel günstiger und man muss im Sommer SEHR VIEL trinken
- mittags sind die Schlangen, um etwas zu besichtigen etwas kürzer, da viele beim Essen sind
- die Preise für Fahrten mit den „Gondola“ sind kritisch zu prüfen; Gruppen bilden und handeln!

25. Juli – Haniker Schwaige

Wie die letzten Tage auch, war Aufstehen um 7:00 Uhr angesagt und um 8:00 Uhr Frühstück. Wir saßen wieder draussen, wie immer alleine. Trotz des warmen Wetters und einer leichten Brise.Für den 6. Tag hatten wir uns den Aufstieg zur Haniker Schwaige vorgenommen. Wir parkten das Auto am Nigerpass und marschierten los. Der erste Teil war sehr einfach; ein breiter Forstweg führte leicht bergan. Danach wurde es steiler und schmaler, anstrengend aber gut zu laufen. Der letzte Wanderteil allerdings war sehr steil und steinig. Leider nach unten statt nach oben. Ein leichter Vorgeschmack auf den Abstieg vom Schlern? Welch ein Glück waren die Kühe an der Baumann-Schwaige weit genug weg und standen uns nicht im Weg rum.Endlich an der Haniker Schwaige angekommen, fanden wir noch einen einzigen freien Tisch für uns. Um 13:00 Uhr herrschte dort Hochbetrieb. Wir bestellten uns Hirtenmakkaroni und Schlutzkrapfen. Letzteres war leider etwas fettig durch die viele Butter. Abgesehen davon schmeckte alles bestens, auch die Apfelsaftschorle und die frische Buttermilch. Die beste Buttermilch, die wir jemals getrunken haben.Gegen 14:15Uhr machten wir uns frisch gestärkt auf den Rückweg, der uns nun viel einfacher als der Hinweg erschien. Leider, leider war es nicht so einfach für Anke, an der Baumann-Schwaige vorbei zu kommen. Wir hatten mit starkem „Gegenverkehr“, „Wegelagerern“ und „Schaulustigen“ zu „kämpfen“. Rinder hatten es sich in der Zwischenzeit am Wegesrand gemütlich gemacht, eine marschierte seelenruhig den Trampelpfad nach oben. Und Jens war begeistert! Endlich konnte er Rinder von nahem betrachten, wie früher!

Nachdem wir heil und ziemlich ko gegen 17:00 Uhr am Auto angekommen waren, fuhren wir noch zum Einkauf nach Tiers um danach Schüttelbrot, Tomaten und Salami zu speisen. Da wir total müde waren, verschwanden wir noch vor 21:00 Uhr in den Betten.

Anmerkung Anke: Die Kühe waren das eine „Problem“. Ein anderes war Ankes Drang, immer und überall mit Wasser zu planschen. Ihr Kletterversuch auf einen Stein an einem Wasserlauf endete mit einem nassen Hosenbein und feuchten Sockenrändern. Somit wurde auch gleich die Wassertauglichkeit der Wanderschuhe getestet. Sie hatten den Test bestanden!

26. Juli – Kölner Hütte, Paolina Hütte, Christomanos Denkmal und Gewitter

Wie bisher sind wir an diesem Tag um 7:00 Uhr aufgestanden. Kurz vor 8:00 Uhr waren wir beim Frühstück, erneut auf dem Balkon und wieder wurden wir leicht verwundert angesehen. Dabei war es herrlich draussen, zwar etwas schwüler und bedeckter als die Tage sonst, aber warm.Gegen 9:30 Uhr machten wir uns mit dem Auto auf den Weg, mit dem Ziel Kölner Hütte. Wir parkten und machten uns auf zum kurzen Marsch zur Seilbahnstation.Oben angekommen genossen wir erst einmal die Aussicht in Richtung Paolina Hütte, wo Wolken aufzogen. Das Wetter war zum Laufen wie gemacht. Der Weg führte über Stock und Stein. Was waren wir froh, gestern Wanderstöcke gekauft zu haben….Nach gut zwei Stunden waren wir endlich an der Paolina Hütte angekommen. Laut Anzeigetafel dauert der Weg 1,5 Stunden. So ist das mit fotografierenden Wanderern: eine halbe Stunde muss immer drauf gerechnet werden.

Wir überlegten, was wir nun tun sollten. Gleich zurück oder noch zur Rotwandhütte; Laufzeit laut Plan 45 Minuten. Wir entschieden uns für was dazwischen, für das Christomanos-Denkmal (Laufzeit 25 Minuten). Dann wollten wir weitersehen.

In Richtung Canazei (hinter dem Denkmal) sah es wettermäßig sehr unangenehm aus. Am Denkmal angekommen hörten wir es zum ersten Mal donnern und es wurde immer grauer. Da war die Entscheidung gefallen: so rasch wie möglich zurück Marsch Marsch!

Etwa eine halbe Stunde nach der Paolina Hütte wurde das Grummeln heftiger und das Gewitter kam um den Rosengarten herum. So schnell wir konnten, wurden die Regenjacken rausgeholt, Kameras eingepackt und auch die Rucksäcke regenfest gemacht. Hinter uns donnerte es immer mehr.

Auf dem Hinweg waren Murmeltiere zu hören und ein Kolkrabe machte auf einer Tanne Lärm. Bis auf das Donnergrollen war nun nichts mehr zu hören. Zwischenzeitlich konnten wir nur noch die Köpfe schütteln: wir beeilten uns, in Richtung „Heimat“ zu kommen, weg von dem Gewitter. Andere liefen noch seelenruhig in die Ecke, aus der das Gewitter aufzog.

Das letzte, sehr steile Stück kurz vor der Kölner Hütte waren wir nur noch am Schnaufen und die Zunge hing uns aus dem Hals. Als wir grade unter dem Vordach der Hütte angekommen waren, ging der Regen in Hagelschauer über und das Gewitter war direkt über uns.

Nach etwa 15 endlosen und kalten Minuten war das Ganze fast vorbei. Wir traten bei leichtem Tröpfeln den Rückweg per Sessellift an. Im Tal war es kaum nass, in Tiers tröpfelte es nur ein wenig. Dafür begrüßte uns im Ort ein besonders ländliches Aroma, das sich sogar in unserem Zimmer breit machte.

Nach einer warmen Dusche ging es uns besser und wir genossen erst einmal Pfefferminztee, bevor wir im Gasthof Laurin zu Abend aßen. Es gab Gulasch mit Knödel für Jens, Anke hatte Truthahnschnitzel mit Bratkartoffeln. Beides war leider sehr salzig, Preisleistung war aber ok.

Um 21:00 Uhr setzten wir uns noch eine Weile nach oben in den Aufenthaltsraum bei Trompedellers und bestellten uns eine Flasche Rotwein, um den Tag ausklingen zu lassen.

NACHTRAG:
Vor uns hatten wir eine Familie, bestehend aus einem Mann, zwei ältern Kindern, einer Frau mit etwa einjährigem Kind auf dem Rücken und einer weiteren Frau. Die weitere Frau fragte die mit dem Kind auf dem Rücken, ob sie auf sie warten solle. „Nein, Du brauchst nicht warten. Wir botanisieren hier noch ein bischen,“ war die Antwort. Sagts und rupft ein gelbes Blümchen ab.
Klasse….
Nun konnten wir uns auch endlich die ganzen abgerissenen Blumen am Wegesrand erklären: es wurde BOTANISIERT!

27. Juli – Tschamintal

Heute morgen lag Felicitas, die Katze des Hauses, unterm Fenster, sonst war der Start wie immer: gleiche Zeit, gleicher Ort, gleiches Frühstück. Letzteres jedoch nicht ganz. Sonntags gibt es im Hause Trompedeller immer ein selbst gebackenes Stück Kuchen für jeden Gast.Die Wetterlage war gemischt. Auf Nachfrage bei Frau Trompedeller sollte es aber halten und erst am Nachmittag Gewitter geben. So haben wir den geplanten Ausruhtag gegen eine Wanderung im Tschamintal getauscht.Los ging es dann um 10:00 Uhr. Erst mal mit dem Auto zur Tschaminschwaige und dann zu Fuß weiter ins Tschamintal mit Ziel Rechter Leger. Der erste Anstieg war gleich schon sehr steil, steinig und ging stufenähnlich über Baumwurzeln.Leider wusste das Wetter zu Beginn unserer Wanderung nicht so recht was es wollte: gestartet bei trockenem Wetter, liefen wir eine Weile im Nieselregen mit Regenklamotten weiter. Die legten wir aber bald wieder ab, da es recht schwül war.

Bei unserer ersten Rast am Schafer Leger hörten wir ein Pfeiffen. Jens vermutete Käuzchen dahinter. Es dürften wohl Gämsen gewesen sein, laut Herrn Trompedeller. Weiter ging es, in der Hoffnung Haflinger zu sehen, zum Rechten Leger. Zu Jens´ Enttäuschung sahen wir aber nur die Hinterlassenschaften der Pferde.

Am Rechten Leger machten wir eine halbstündige Pause und genossen die Aussicht auf die Berge in Richtung Grasleitnerhütte und Tierser Alpl. Die Berge waren teilweise von dicken, dunklen Wolken verdeckt. Viele Wanderer waren zu der Zeit unterwegs.

Für den Rückweg benötigten wir nur 1 Stunde 45 Minuten. Wir hatten ja auf dem Hinweg schon alles fotografiert. Wir kamen schwitzend an der Tschaminschwaige an, es war schwül-heiß. Etwas weiter unten im Tal, bei Trompedellers, war es angenehm sonnig mit einer leichten Brise.

Nachdem wir uns einen Capuccino und Prinzenrolle-Kekse auf dem Balkon unseres Feriendomizils gegönnt hatten, fuhren wir zum Hotel Dosses. Hier, im besten Hotel am Platz, wollten wir unseren ersten Hochzeitstag mit einem leckeren Essen ausklingen lassen.
Leider entpuppte sich das Ganze aber als Reinfall des Urlaubs: wir waren um 19:00 Uhr die einzigsten Gäste. Nach einer Weile trudelten die Hotelgäste zum Abendessen ein. Dabei blieb es allerdings auch. Wir bestellten was mit Fleisch, Jens Schwein, Anke Rind. Der Chef persönlich bediente uns. Nachdem er unsere Bestellung aufgenommen hatte, murmelte er im Wegschlurfen, da hinten gäbe es noch eine Salatbar. Lecker, Salat! Nichts wie hin.

Naja, viel Auswahl, aber nicht sehr ansprechend. Außerdem ungekühlt in der Sonne. Wir amüsierten uns mit unserem Salat und das Essen kam. Sehr lecker sah es aus. Es hat auch geschmeckt. Leider stellten wir fest, daß die Soßen gleich schmeckten. Die Rösti sahen alle sehr akkurat aus und schmeckten nach Tiefkühl-Ware. Ein weiteres Ko-Kriterium für dieses Restaurant: die Getränke. Wir haben sie nie erhalten!

Es dauerte eine Ewigkeit, bis Herr Chef sich blicken ließ. Anke mußte ihn rufen, um die Rechnung zu verlangen. Sein Kommentar: „Gehen Sie zu meiner Frau an die Rezeption, die hat die Rechnung.“ Ok, machen wir doch glatt. Das Problem dabei: die Frau war nicht da, mußte erst von einem Angestellten geholt werden. Zweites Problem: „Welche Rechnung? Ich habe keine. – Moment, ich hol sie.“ Drittes Problem: die Rechnung selbst.
Neben den Hauptgerichten und zwei kleinen Salattellern für je 4,90Euro standen einmal Apfelsaftschorle und ein alkoholfreies Bier drauf. Moment! Getränke haben wir nie erhalten, die können gleich gestrichen werden! Ungläubiges Gesicht von unserem Gegenüber. Gemurmel, von wegen: „Typisch mein Mann! Dann muß ich das halt abziehen.“ 45,90 Euro minus 5,40Euro Getränke. Eine einfache Rechnung,……………denkt ihr, liebe Leser! NEIN!!! Ganz und gar nicht! „Das sind dann……39 Euro irgendwas!“ „Nein, 40,50 Euro.“ Wer nun glaubt, sie hat es uns geglaubt, der irrt. Weiterhin Gemurmel und rumgerechne. Jens legte ihr genervt 41,00Euro hin, sie schob den einen Euro wieder zurück, mit dem Kommentar: „ 39 Euro irgendwas.“ „Ok, danke, stimmt so.“ Jens nahm den einen Euro wieder und wir verließen kopfschüttelnd die Einrichtung.

Jens war vor 16 Jahren mit seinen Eltern auch schon bei Dosses essen. Wenn er nicht so begeistert davon gewesen wäre, wäre er mit Anke garnicht dort hin gegangen. Aber so: nach 16 Jahren einmal und NIE wieder!

Genervt aber auch amüsiert ließen wir dann den Abend unseres ersten Hochzeitstages bei einem Schluck Wein im Aufenthaltsraum von Trompedellers ausklingen.

28. Juli – Ruhetag

Dieser Tag verlief komplett anders wie geplant. Anke ging es schon beim Aufstehen nicht gut. Sie war einfach nur ko, müde und hatte keinen Elan für irgendwas. Während dem Frühstück beschlossen wir: wir bleiben heute „zu Hause“.Jens machte sich nach dem Morgenmahl auf in die Wiese hinterm Haus um zu fotografieren. Anke legte sich mit Kopfschmerzen wieder hin. Gegen 11:00 Uhr stand sie auf und besuchte Jens beim Fotografieren der Schmetterlinge und Blumen. Die Reinigungskraft tobte sich schon im Nachbarzimmer aus.Nachdem unser Zimmer auch sauber war, legte sich Anke wieder hin, Jens kam kurze Zeit darauf nach und gönnte sich ebenfalls ein Schläfchen. Nachdem wir beide wieder fit waren, verschlagwortete Jens Bilder, Anke schrieb Urlaubs-Tagebuch.Für eine Weile setzten wir uns auf den Balkon. Da es aber recht frisch und bedeckt war, verkrochen wir uns wieder auf unser Zimmer und begutachteten unsere bisher gemachten Fotos.

Das Abendessen nahmen wir in der Tschaminschwaige zu uns: Anke aß Spaghetti mit frischen Tomaten, Mozarella und Basilikumpesto. Für Jens gab es Makkaroni al Arrabiata. Der Nachtisch bestand aus Spaghetti- und Amaretto-Eis.

Auf dem Rückweg zu unserem Auto gingen wir ein kurzes Stück in Richtung Bärenfalle. Wir wollten mal schauen, ob wir uns die Bärenfalle auf dem Hinweg zum Schlern „antun“ könnten. Schnell stellten wir aber fest, daß dieser Weg für unsere ungeübten Wanderbeine und für solch eine lange Tour zu steil, steinig und schmal ist. Wir nahmen uns aber fest vor, bei einem nächsten Urlaub in Tiers eine Tageswanderung in die Bärenfalle zu unternehmen.

29. Juli – Wuhnleger und Tschafon

Der Morgen startete…. wie immer um 6.45 Uhr mit Aufstehen und nach dem Besuch im Badezimmer um 7:45 Uhr frühstücken auf Balkonien. Das Wetter war wieder herrlich warm. Heute bekamen wir Gesellschaft draussen: ein anderes Paar traute sich ebenfalls auf den Balkon.Um 9:45 Uhr machten wir uns komplett zu Fuß auf den Weg mit dem Ziel: Wuhnleger und Tschafon. Zu dieser Zeit stach die Sonne schon gewaltig vom Himmel und der Schweiß floss in Strömen.Bis zum Wuhnleger waren wir sehr motiviert und alles lief sich problemlos. An dem kleinen Teich ließ es sich wunderbar aushalten. Anke genoss den Blick in Richtung Rosengarten, Jens vergnügte sich mit seiner Kamera bei der Libellen-Jagd. Hätte Anke ihn nicht zum Aufbruch ermahnt, würde er dort heute noch Libellen knipsen…Der Weg bis ganz rauf zum Tschafon kam uns durch die Hitze noch steiler und anstrengender vor. Selbst Motivationssprüche wie: „Knödel mit Salat” halfen nicht mehr viel. Auch Jens´ Ansagen: „Hinter der Kurve ist die Hütte,” wirkten mittlerweile recht unglaubwürdig. Nach scheinbar endlosen Kilometern und großer Verzweiflung taucht doch noch endlich die Tschafon-Hütte auf!

Wir steuerten den letzten freien Tisch im hinteren Eck des Gartens an und warteten und warteten und … bis uns endlich jemand bemerkte. Leider gab es keine Knödel mit Salat, dafür aber für jeden einen Teller mit Rösti, Speck, Spiegelei und Salat. Dazu zweimal Himbeersirup mit Quellwasser. Die Flüssigkeit in unseren Gläsern verdunstete so schnell, daß wir nochmal eine Runde bestellten. Alles war sehr, sehr lecker. Nach dem Bezahlen durften wir uns noch einen Schnaps aussuchen. Wir entschieden uns für „Latschen”. Ebenfalls Eigenproduktion, wieder sehr lecker.

Gut gefüllt bis oben hin machten wir uns nun auf zum Endziel Tschafonspitze. Laut Plan 20 Gehminuten, für uns allerdings etwas länger, da das Essen schwer im Magen lag und in Kombination mit der Hitze das Laufen nicht vereinfachte.

Wir trafen nochmals auf den Österreicher mit seiner Frau. Die beiden hatten wir auf halber Strecke zum Wuhnleger zum ersten Mal gesehen. Sie machten einen netten Eindruck. Man kam auf dem Tschafon ins Gespräch, was im Berufe raten seitens des Österreichers endete. Es ging in Richtung „Kamera – Fotograf?” „Nein, Buchhalter” „Ok, Kamera – sehr korrekt – Buchhaltung ebenfalls Korrektheit erforderlich.” Schönen Tag, guten Weg.

Endlich oben angekommen, hielten wir es dort nicht lange aus. Es war zu heiß und in der Ferne war wiedermal ein Donnergrollen zu hören. Ein großer Greifvogel, der über dem Tal kreiste, lenkte uns für kurze Zeit ab, ebenso der Schwalbenschwanz, der sich zu Jens´ Ärger nur von Anke fotografieren ließ.

Schnell machten wir uns auf zum Abstieg ins Tal, mit Zwischenstopp am Wuhnleger. Jens mußte ja Libellen fotografieren …

Der gesamte Rückweg fiel uns viel leichter, wir waren sehr rasch unten. Vor Trompedellers Haus angekommen, meinte Jens, er müsse schaukeln; etwas schwierig, wenn man vorne mit Kamera behängt ist und hinten den Rucksack auf hat. Lange saß er nicht oben. Der Rucksack zog ihn nach hinten und plumps, saß er auf der Wiese, die Füße noch auf der Schaukel. Die Kamera nahm zum Glück keinen Schaden. Jens hatte eine kleine Blessur am Kinn und an der Hand. Glück im Unglück!

Nachdem er sich von dem Schrecken erholt hatte, fuhren wir ins Dorf zum Einkaufen. Danach machten wir es uns auf dem Zimmer gemütlich. Wir luden die Fotos runter und packten die Rucksäcke für die Schlern-Tour.

Abendessen gab es von und bei Tropedellers: Speck-Käseplatte und den Rest Wein. Damit wir für die große Tour fit sind, gingen wir früh zu Bett.

30. Juli – Auf zum Schlern – Der Aufstieg

Nachdem wir am Vorabend alles Notwendige (wirklich nur das Notwendigste!) in unseren Rucksäcken verstaut hatten, schliefen wir trotz frühen zu Bett gehens relativ schlecht. Gegen 6:00 Uhr war aufstehen angesagt. Frau Trompedeller hatte wieder das Frühstücksbuffet fertig gerichtet und so konnten wir uns um 7:00Uhr an den gedeckten Tisch setzen.Um 7:45 Uhr machten wir uns mit dem Auto auf den Weg zur Seiser Alm. Mit der Kabinenbahn „La Gondola“ fuhren wir nach oben zum Compatsch, liefen ein kurzes Stück bis zum Hotel Panorama um von dort aus weiter mit einem 4er-Sessellift hoch zu fahren.Von dort begann unser eigentlicher Aufstieg. Erst ging es gemütlich zwischen Wiesen leicht bergan. Unsere erste schwere Etappe hatten wir immer gut vor Augen: der Zick-Zack-Weg im Berg zu den Rosszähnen (Rosszahnscharte) hoch. Es sah sehr steil und anstrengend aus! Zum Glück war unser Tagesziel, die Schlernhäuser, auch immer gut sichtbar.Wir mühten uns ab, den steilen Zick-Zack-Weg zu erklimmen. Es war für uns, wie für viele andere, ziemlich anstrengend. Fast oben angekommen, kam uns ein älterer Mann, braungebrannt, sehr gut durchtrainiert und in Trägerhemd, Laufschuhen, kurzer Hose und Handtuch plus Wasserflasche in der Hand, entgegen gejoggt. Unser Kommentar: „Der macht das wohl öfter…?!?!“

Kurz vor der Rosszahnscharte kam es zu gewagten Schritten in einer Baustelle. Drei „schwere Jungs“ machten den Weg, einer telefonierte, der andere wollte gern ein Stück Baumstamm im Weg quer legen und mit Steinen befestigen. Er mußte aber oft unterbrechen, wegen der vielen Wanderer. Nummer 3 war mit dem Presslufthammer im Fels zu gange.

Schnell war nun das Etappenziel erreicht. Leider wurde die grandiose Aussicht von einer Horde Italiener „versüßt“. Da wir nicht schnell genug auf die Seite sprangen, bahnte sich ein Junge des Trupps mit drängeln den Weg an uns vorbei, in dem er Jens auf die Seite schob. Dies wirkte sehr förderlich auf den Kreislauf, da es mehrere hundert Meter bergab ging. Von den Italienern „getrieben“, lief es sich auch gleich viel schneller, das fotografieren reduzierten wir auf das Notwendigste.

Endlich hatten wir unsere erste Raststation erreicht: das Tierser Alpl. Dort saßen auch schon Herr und Frau Bieber von unserem Urlaubsquartier. – So trifft man sich wieder. Wie die das so rasch geschafft hatten? Die kamen zum Frühstück, als wir gerade fertig waren….

Wir machten es uns drin im Alpl gemütlich und genossen Minzsaft (klebrig-süß aber lecker, mit Minzblättern aus Eigenanbau) und zweimal Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren. Gegen 14:00 Uhr ging es weiter zum Endziel.

Nun folgte der Weg, bei dem die Anton-Männer vor 16 Jahren bergab ihre Kameras einpackten. Dieser, für uns Anstieg, war steil und links ging es weit nach unten und es waren viele hohe Treppenabsätze drin.

Etwa auf der Hälfte dieses Weges kamen wieder mal zwei Personen auf uns zu. Anke setzte zum grüßen an, die Frau grüßte, schaute, Anke schaute, sie schaute. „Frau Barabas?!?!“ – „Anke?!?!“ – Da trifft man mitten in Südtirol auf einem Berg die Mutter von Ankes ehemaligem Grundschul-Kollegen mit ihrem Lebensgefährten…. Kurzes Gespräch und weiter ging es.

Auf dem Hochplatteu konnte Jens endlich Kühe von Nahem fotografieren! Leider ging dies nicht mehr ganz so gut. Sein Rücken plagte ihn und mit der linken Hand ließ sich die Kamera nicht mehr schmerzfrei heben, bücken ließ auch zu wünschen übrig. Die Wolken zogen sich immer weiter zu, es drohte wieder mal ein Gewitter.

Wir waren zum Glück nur noch gute 20 Minuten von den Schlernhäusern entfernt und wir gaben nochmal Vollgas, so gut dies über Stock und Stein und bergan eben geht. Um 16:00 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht.

Die Gaststube war schön warm, unser Zimmer leider nicht. Ein echt uriges Bergsteiger-Zimmer, im Sommer unbeheizt und wenn, dann (wahrscheinlich nur) per Kachelofen machbar. Unser Zweibett-Zimmer war komplett aus Holz, hatte neben dem Kachelofen zwei einzeln stehende Betten, zwei Kommödchen, einen Tisch und zwei Kleiderhaken. Der Ausblick war herrlich, direkt auf den Rosengarten.

Zum Glück gab es aber Toiletten für Männlein und Weiblein getrennt. Nur das Wasser musste man sich im Flur teilen. Ein langes Waschbecken, aus dem abends kaltes und morgens saukaltes Wasser kam. Aber immerhin, wenigstens fließend Wasser und kein Plumpsklo.

Um 18:00 Uhr sollte es Abendessen geben. Die Zeit bis dahin verbrachten wir damit, uns im Zimmer einzurichten und mit fotografieren. Pünktlichst zur angegebenen Zeit gab es Abendessen. Wir bestellten uns eine heiße Tasse Milch und einen Kakao. Der Kakao schmeckte richtig nach Milch. Für Jens gab es noch eine Schwarztee, der sehr leicht und fein schmeckte.

Zu Essen hatten wir uns Spaghetti Ragú (sprich Bolognese) bestellt. Auch dies war geschmacklich sehr gut. Nachtisch gönnten wir uns ebenfalls: zweimal Buchweizenkuchen.

Nach dem Essen verkrümelten wir uns ins Zimmer. Rundherum donnerte es schon und das Lattemar hatte bereits einen weißen Überzug erhalten, ob der aus Hagelkörnern oder gar Schnee bestand, war nicht auszumachen.

Jens las Anke von der Sage des Rosengartens und dem Zwergenkönig Laurin vor, danach schlüpften wir bereits gegen 20:15 Uhr in die Betten. Einschlafen konnten wir nicht wirklich. Etwa eine Stunde später fing das Gewitter dann über uns an zu toben. Erst schlüpfte Anke zu Jens ins Bett, doch dann schlüpfte Jens aus dem Bett und mußte Blitze fotografieren….

Zwei Blitze hatten in den Berg gegenüber eingeschlagen. Die Einschläge waren gut sichtbar, sehr orange und hell. Trotz des Gewitters und auch später, als es sich verzogen hatte, hörte Anke die Glocken läuten: allerdings nur die Kuhglocken. Die Nacht selbst verlief für uns unruhig, im Bett war es zu warm, außerhalb zu kalt. Außerdem schloss unser Fenster nicht richtig.

31. Juli – Schlern – Der Weg zurück

Anke hatte in der Nacht einige Male erfolgreich den Weg zur Toilette gefunden, Jens wollte es ihr am nächsten Morgen gegen 6:00 Uhr gleich tun. Gefunden hat Jens ihn und richtig wach war er danach auch. Das Wach-sein war allerdings auf das Wasser am Boden in der Herrentoilette zurückzuführen. Wenn man nur auf Socken unterwegs ist und es durch das Fenster reingeregnet hat, ist das sehr erweckend.Beinahe hätten wir noch die schönsten Lichtverhältnisse verpasst, denn der Wecker war eigentlich auf etwas später gestellt. Wo Jens aber schon mal wach war, ging er nach der Katzenwäsche mit saukaltem Wasser zum Fotografieren nach draußen.Die Luft war herrlich, Graupelkörner bedeckten stellenweise wie ein Teppich die Wiesen, Wolken zogen im Tal entlang und verschlafene Touristen krabbelten aus allen Türen. Alles und jeder noch so friedlich!Kurz nach 7:00 Uhr waren wir beim Frühstück, was aus Brot, zwei eingepackten Aufstrichen, Tee und Kakao bestand. Vor und nach dem Frühstück unterhielten wir uns mit einer älteren Frau, die den Auf- und Abstieg zum Schlern allein meisterte während ihr Mann im Ferienort auf sie wartete.

Nach der Stärkung räumten wir das Zimmer und machten uns auf den Weg zum Monte Petz. Die muliartige Bepackung mit unseren Rucksäcken machte uns beim 30-minütigen Aufstieg ziemlich zu schaffen. Obwohl wir nicht mehr „geladen“ hatten als beim Marsch auf den Schlern. Der Aufstieg lohnte sich! Wir hatten eine grandiose Aussicht auf die Seiser Alm, das Lattemar, den Rosengarten und die Alpen in der Ferne.

Anke „vergnügte“ sich gerade mit der Sonnencreme, als Jens rief: „Komm mal schnell, da sind Gämsen!“ Ganz weit weg waren erst zwei Alttiere und drei Jungtiere zu sehen. Sie hielten sich eine ganze Weile auf der Almwiese auf und es kamen noch zwei dazu. Leider rannten sie bald weg und wir machten uns, nach dem obligatorischen Gipfelkreuz-Foto auch auf zum kompletten Abstieg zum Compatsch.

Von oben sahen wir eine Gruppe von Zelten neben den Schlernhäusern stehen. Bei dem Gewitter in der Nacht unter freiem Himmel zelten, wir fanden es ziemlich leichtsinnig. Über den Touristensteig stiegen wir abwärts. Dieser, laut Karte als leichter Weg markiert, war alles andere als das: sehr lang gezogen, steil, wurzelig und steinig. Anders der Weg ab Saltner Hütte bis Panorama Hotel. Dieser war laut Karte ein schwieriger Steig. In Wirklichkeit ging es aber gemütlich bergan über Almwiesen.

Zurück zum Touristensteig. Auf dem Weg dort runter mussten wir einen sehr professionellen Eindruck gemacht haben. Wir wurden von einem bergansteigenden Vater mit seinem Sohn angesprochen, ob wir am selben Tag schon hoch gelaufen seien und ob wir den Weg auf Lang- und Plattkofel kennen würden. Alles mussten wir verneinen.

Andere Leute hatten es nach oben hin so eilig, daß sie Anke am liebsten aus dem Weg geräumt hätten, um sich dann nach 10 Metern auf einem Stein auszuruhen.

Bei unserem Abstieg trafen wir wieder auf unseren „Gipfelstürmer“ vom Vortag. Wieder in Trainingsklamotten unterwegs, lief er den Berg hoch. Er müsste gegen 10:00 Uhr den Touristensteig hoch und über Rosszahnscharte nach drei Stunden runter gelaufen sein. Drei bis vier Stunden für so eine Strecke: nicht schlecht! Leider zog sich der Weg runter und wir konnten den aufsteigenden Morgennebel im Tal nicht genießen.

Anke hatte auch wieder eine kurze Gefahrensituation zu meistern: auf dem Weg standen wiedermal Kühe und Rinder. Jens scheuchte sie, um sein Leben ringend, vom Weg.

Gegen 12:30 Uhr hatten wir die Saltner Hütte erreicht. An der Hütte gab es zur Stärkung Buttermilch, Skiwasser und ENDLICH die lange ersehnten Knödel mit Salat! Jens´ Kommentar: „Was für eine geniale Hinhaltetechnik. Knödel nicht auf dem Tschafon, sondern erst nach der Schlerntour.“ Beim Essen hatten wir einen schönen Blick auf den Schlern. Dort oben auf dem Grat krakselten „arme Irre“ herum.

Mit schweren Füssen, aber vom Espresso beflügelt, machten wir uns auf zur letzten fussläufigen Etappe. Diese führte quer über Almwiesen, vorbei an urigen Hütten, frei laufenden Pferden, umher irrenden Holländern und Falken und Dohlen. Es war herrlichstes Fotowetter. Anke war total von einem großen Wolkenhaufen fasziniert, der sich zu einem Wolkentor entwickelte.

Nach vielen Bildern und einem weiteren Panorama erreichten wir unseren Startpunkt, das Panorama-Hotel. Wir genossen, wie auf der Hochfahrt, die Aussicht und waren froh, daß wir unsere Jacken angezogen hatten. Es war sehr frisch geworden.

Unten am Compatsch war es dann zu warm. Also Jacken wieder ausgezogen und mit „La Gondola“ ganz nach unten zu unserem “Autile”, das auf dem großen Parkplatz auf uns wartete und das Gewitter gut überstanden hatte.

Gegen 17:30 Uhr waren wir dann wieder heil bei Trompedellers „gelandet“. Nachdem die Fotos runtergeladen waren, wurde ausgiebig geduscht, dann ausgepackt. Wir belohnten uns anschließend mit einer Speck-Käseplatte, die wir am Vor-Vortag bei Frau Trompedeller bestellt hatten.

01. August – Stadtbummel in Bozen

Auch an unserem vorvorletzten Morgen in Tiers hieß es früh aufstehen. Wir mussten den Bus um 9:11 Uhr gen Bozen erwischen.Wieder genossen wir unser Frühstück alleine draussen und machten uns dann auf den Weg mit Auto zur Bushaltestelle im Dorf. Vorher wurden noch die obligatorischen Postkarten bei der Post abgegeben und auf ging es per Bus nach Bolzano. Der Bus war ziemlich voll mit vielen Kindern, die laut Jens „ Anke´s Zielgruppe” entwachsen waren.Ausstieg war für uns am Bahnhof, wo schon das Leben pulsierte. „Viel Italien“: schöne Frauen, italienische Architektur, italienische Fahrweise und Natur zwischen den Gassen und Häusern. Gemütlich schlenderten wir druch die Strässchen Richtung Obstmarkt. Leider kann man den Geruch nicht festhalten per Kamera, dafür die schönen bunten Farben. Die Nektarinen waren sehr reif aber geschmacklich noch gut.Irgendwann gaben wir die Suche nach einem Ziel auf. Wir gingen zurück zum Dom, auch in der Hoffnung nach einem WC. So landeten wir im „Stadtcafe“. Außen nobel und modern, auf den Toiletten pfui. Der Eiskaffee war aber ok. Danach liefen wir nochmal rund und kauften ein Stück Pizza. Der Schokoladen-Laden hatte leider um die Mittagszeit geschlossen.

Am Busbahnhof war sehr viel Betrieb. Es wimmelte von Reisebussen, die alle schwer bepackte Teenies ausspuckten. Unser Linienbus hatte an seiner Haltebucht keinen Platz, so mußte er Ehrenrunden drehen und uns wo anders einsammeln.

Gegen 15:00 Uhr kamen wir wieder „zu Hause“ an. Jens sortierte Bilder, Anke legte sich für eine Weile hin. Eine halbe Stunde später begann es zu gewittern. Da wir nichts weiter vor hatten, begutachteten wir unsere Urlaubsbilder. Danach bestellten wir oben Spaghetti a la Carbonara, Apfelsaft und Mineralwasser. Die Spaghetti waren super lecker und frisch zubereitet. Bis 21:30 Uhr saßen wir oben, ließen unseren letzten Abend ausklingen und verewigten uns im Gästebuch.

Anmerkung: unser kurzfristiger Spaghetti-Wunsch wurde rasch erledigt von Frau Trompedeller. Normalerweise muss man so etwas am Abend vorher anmelden. Doch auf Nachfrage bei ihrer Tochter, wer denn die Spaghettis wolle („d´Antons“) kam ein klares: „Kein Problem, um halb 8 ist es fertig.“ So was ist Service!

02. August – Schloss Prösels und Koffer packen

Unser vorletzter Tag verlief sehr ruhig. Aufstehen war wie immer, obwohl wir nicht viel vor hatten. Vor dem Frühstück machte sich Jens ans Fotografieren im Hause Trompedeller: angefangen beim Frühstücksbuffet bis hin zu unserem Zimmer lichtete er einiges ab. Anke räumte in dieser Zeit auf und begann mit Koffer packen.In der Hoffnung auf ein leckeres Eis, fuhren wir nach dem Frühstück noch einmal nach Kastelruth. Die Eisdiele machte aber erst später auf. Für den Rückweg hatten wir uns Schloss Prösels vorgenommen. Leider hat dies an Samstagen geschlossen. So konnten wir es nur von aussen besichtigen. Im Burghof wollten wir uns auch nicht allzu lange aufhalten. Dort wurde für eine Festivität geschmückt.Also zurück zu Trompedellers, den Rest einpacken. Im Anschluss gönnten wir uns ein letztes leckeres Mahl im Edelweiss. Die Bedienung schlug uns vor, eines der Tagesmenüs zu nehemen: Fischplatte, Spaghetti mit Muscheln oder….was anderes mit Fisch. Wir entschieden uns für die Fischplatte. Vom Chef persönlich erfuhren wir kurz darauf, daß es nur noch eine Fischplatte gab. Der Fisch wurde jeden Freitag frisch auf dem Bozener Markt gekauft. Gut, Jens ließ Anke den Vortritt, für ihn gab es dann Zwiebelrostbraten.Beides war wie immer sehr lecker, aber… der Fisch war ein Gedicht! Als Vorspeise gab es einen gemischten Salat und etwas Brot. Zum Hauptgericht gab es Kartoffeln und verschiedene Gemüse. Der Fischteller bestand aus Lachs, und drei anderen Sorten, außerdem Scampi und Tintenfischteile. Ankes Gesicht sprach, als ihr der Teller gereicht wurde, Bände. Es sah nicht nur lecker aus, es roch auch so und schmeckte richtig fein! Nachdem wir aufgegessen und gezahlt hatten, machten wir uns auf den Rückweg zu Trompedellers. Dort verbrachten wir noch gemütliche, letzte Stunden oben im Aufenthaltsraum.

Wir lagen früh im Bett, da wir am nächsten Tag eine lange Fahrt vor uns hatten.

03. August – Großglockner und die Rückreise

Ein letztes Mal genossen wir das Frühstück auf dem Balkon, wie immer allein. Da Sonntag war, gab es wieder leckeren Kuchen für alle Gäste.Nachdem noch einige Fotos gemacht wurden, u.a. von den vier anwesenden Mitgliedern der Familie Trompedeller, packten wir unsere Sachen ins Auto. Dann ging es ans Verabschieden, mit dem Versprechen, bald wieder nach Tiers zu kommen.Wir fuhren nicht die bekannte Strecke, wie auf der Hinfahrt. Wir wollten dem Großglockner noch einen Besuch abstatten. Nachdem wir die Hochalpenstraße hinter uns gelassen hatten, und unser Auto im Parkhaus am „Glocki“ geparkt hatten, suchten wir in einer dicken Wolkenschicht vergebens die Glockner-Spitze. Da es nicht nach Wetterbesserung aussah, entschieden wir uns nach längerem Überlegen für die Weiterfahrt bis Winnen.Um etwa 20:00Uhr machten wir Rast am Rastplatz Chiemsee. Das Anhalten hatte sich gelohnt! Eine wunderbare Aussicht auf den Chiemsee, denn der Parkplatz liegt direkt am Wasser. Weiter ging es nach der Pause. Spät in der Nacht, gegen 2:00 Uhr, kamen wir total k.o. aber wohlbehalten in Winnen an. Dort verbrachten wir noch ein paar gemütliche Tage, bis wir am Freitag wieder nach Hamburg aufbrechen mussten.

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