Südtirol
Einleitung
Vom 20. Juli bis 3. August 2008 waren wir zu Gast bei Familie Trompedeller im Haus Trögl in Tiers am Rosengarten. Dies ist der Bericht unseres ersten gemeinsamen Urlaubs in Südtirol; Ankes erster Wanderurlaub.
Tiers ist touristisch noch nicht zu überlaufen und schön ruhig. Unser Quartier war Jens bereits durch zwei Urlaube mit seinen Eltern bekannt und es hätte diesmal passender nicht sein können. Unser Zimmer im Parterre war sehr sauber, hatte Bad mit WC und Dusche. Der Clou war ein zusätzliches Zimmerchen mit einem dritten Bett und Schrank. Dies wurde von uns als Technik-Raum, Vorratskammer und Garderobe genutzt.
Im eigentlichen Zimmer standen ein Schrank, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein kleiner TV und eine große Couch. Über der Couch hing eine Landschaftsaufnahme von Tiers, die Jens´ Vater vor einigen Jahren gemacht hatte. Familie Anton hinterlässt Spuren …
Einziger Wehrmutstropfen war die Küche direkt über unserem Zimmer. Wirklich gestört hatte es nicht, da wir morgens sowieso recht früh auf den Beinen und abends schön müde waren.
Frühstück gab es in der Regel ab 7:30 Uhr. Im Angebot war alles was unser Herz begehrte: Kaffee- und Teevarianten, Wasser- und Roggenbrötchen (südtiroler Art), Brot, frischer Obstsalat, Naturjoghurt, verschiedene Zutaten für Müsli, diverse Marmeladen, Honig, Wurst und Käse, Tomate und Ruccola, O-Saft, Zitronenwasser und frische Milch. Auf Wunsch gab es ein frisch gekochtes Ei und sonntags ein Stück selbst gemachten Kuchen.
Frau Trompedeller machte für ihre Gäste fast alles möglich. So gab es in Ausnahmen das Frühstück bereits um 5:30 Uhr. Unsere Sonderwünsche wurden nicht fast, sondern immer erfüllt.
Wenn das Wetter mitspielte, konnte man auf dem Balkon frühstücken. Während unserer Zeit waren wir allerdings meist allein auf dem Balkon, obwohl die Sonne uns morgens an den meisten Tagen anlachte.
An welchen Tagen dies nicht der Fall war und was wir am Tage erlebten, berichten wir auf den folgenden Seiten.
20. Juli – Die Anreise

Nach Südtirol sind wir am Sonntag, den 20. Juli um 4:00 Uhr von Hessen aus gestartet. Alles lief nach Plan, das Wetter war wie man es sich vorstellt.
Bei Sonnenaufgang waren wir bereits am Rasthof Würzburg. Das Rasthaus dort war schön, das Personal jedoch zu Anke nicht gerade freundlich. Der Parkplatz selbst war sehr vermüllt und man kam sich vor wie bei „Die Vögel“, denn überall waren Krähen. Vor einem Van aus den Niederlanden lagen südländische Männer auf Matten und schliefen. Die Frauen waren schon wach und blieben im Wagen.

Die nächste Pause war dann in Vaterstetten bei München, die Sonne schien und viele machten gegen 9:00 Uhr Pause. Dementsprechend sah es auch auf den Toiletten aus. Auf dem Parkplatz haben wir unseren Wagen nicht allein gelassen und so hatte einer immer Zeit, das Geschehen rund ums Auto anzusehen. Neben den ganzen unterschiedlichen interessanten Menschen waren auch einige Beinahe-Unfälle zu beobachten. Man hielt immer die Luft an.
Auf dem Weg nach Österreich fing es dann mit dem Regen an und es wurde immer dunkler. Der rücksichtsloseste LKW auf dem ganzen Weg stammte aus Jens´ früheren Heimat und es waren überhaupt recht viele Hessen und Hamburger unterwegs. Auf Jens´ Kommentar zur Fahrweise des Truckers sagte Anke nur: „Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche!“

Je näher wir nach Bozen kamen, desto besser wurde das Wetter und die Sonne kam wieder raus. Bei leichten Wolken und Sonnenschein erreichten wir gegen 13:00 Uhr dann unser Ziel und wurden vom Hausherren begrüßt. Dann hieß es auspacken und Mittagsschlaf halten. Im Anschluss machten wir uns zu Fuß zur Tschaminschwaige auf. Früher konnte man dort gut zu moderaten Preisen essen. Nach Angaben unser Gastgeberin sollten es 45 Minuten Fußweg sein. Der Sonnenschein war inzwischen dunkleren Wolken gewichen und es sah wie auf der Aufnahme aus.

Nach der kurzen Nacht, der langen Fahrt und den schwülen Temperaturen gaben wir jedoch total durchgeschwitz nach 25 Minuten auf, gingen zurück, duschten und fuhren mit dem Wagen dorthin.
Für den Tag eine gute Entscheidung, denn das Essen war fast noch so wie erhofft, nämlich lecker und der Preis schien uns auch angemessen. Kurz nachdem wir unseren Grillteller gegessen hatten und zurück im Quartier waren, kam das erste Gewitter für diesen Urlaub. Es sollte nicht das letzte sein!
21. Juli – Erster Spaziergang zur Kapelle St. Sebastian

Unsere erste Nacht war um 7:00 Uhr beendet. Die nächtlichen Gewitter sorgten zwar für eine Unterbrechung der Nachtruhe, wir fühlten uns dennoch schon ein gutes Stück erholt.
Draußen strahlte bereits die Sonne vom Himmel und an den Bergen waren die letzten Dunstwolken des Gewitters zu sehen. Die Temperaturen waren am Morgen wirklich erfrischend, dennoch ließen wir uns unser erstes Frühstück auf dem Balkon nicht nehmen. Ein Spatz leistete immer wieder auf dem First Gesellschaft und gab seine Stimme zum besten. Er sollte eigentlich noch fotografiert werden, bis Jens seine Kamera dabei hatte, hatte er die Angewohnheit, uns ein Ständchen zu geben, wieder eingestellt.
Nachdem Anke im Bad fertig war und die Rucksäcke gepackt waren, machten wir uns um 10:00 Uhr auf zur ersten kleinen Tour. Die Wege und die Gräser waren noch richtig naß vom Regen. Diese kurze Tour führte uns zum Völsegg und zurück über die Pestkapelle St. Sebastian. Das Wetter war herrlich zum wandern.

An der Kapelle sah und grüßte man eine Familie, die sich einen schönen Tag machte. Oma war mit dabei.
Zurück waren wir bereits um 14:00 Uhr und wir genossen die Möglichkeit des Mittagsschlafes. Am Nachmittag wurden noch ein paar Besorgungen im Ort gemacht, die Venedigfahrt gebucht und Postkarten gekauft. Auf dem Parkplatz trafen wir die Familie von der Kapelle wieder und man grüßte sich erneut. Im Falle eines weiteren Aufeinandertreffens beschlossen wir, sie anzusprechen. Dem Wagen nach handelte es sich um Italiener; wir sprechen kein Italienisch, dann würden wir es mit Englisch versuchen…. Sie wirkten einfach sehr sympathisch. Leider sahen wir sie nicht mehr.
Um Anke mehr vom Tal zu zeigen, fuhren wir noch zum Nigerpaß. Von dort beobachteten wir einen Heli, der im Rosengartenmassiv wieder Bergsteiger „einsammeln“ durfte. Jens genoss die ersten Fahrten in den „Tornanti“.

Abendessen wollten wir dann im „Hotel Rosengarten“. Früher war das mal eine der besseren Adressen im Ort. Leider hatte sich das in den 16 Jahren geändert und wir erwischten das schlechteste Essen, was wir je gegessen hatten. Wir fotografierten es auch nicht. Die beiden Bedienungen kann man nur als merkwürdig beschreiben. Als wir davon im Quartier berichteten, schlugen die nur die Hände überm Kopf zusammen und sagten „Um Gottes Willen!“. Das sagt alles!
So ging unser erster richtiger Urlaubstag zu Ende und wir waren auf die nächsten sehr gespannt.
22. Juli – Seiser Alm – Puflatsch und viel Kälte

Es hat sich gelohnt! Das Panorama war klasse. Das einzige, was störte: die Kälte, je höher man kam. Der Wind pfiff und rundherum gab es immer wieder Regenschauer.

An der Hütte angekommen, genehmigten wir uns lecker Speckknödel in Suppe, Spinatknödel mit brauner Butter und zum Nachtisch Apfelstrudel – mit Rosinen… . Das heißt, Jens hat die Rosinen gegessen, Anke den Rest. Das Ganze war preiswert und lecker. Wer Knödel mag, wird Südtirol lieben! Hier kommt man in Sachen Knödeln voll auf seine Kosten.
Frisch gestärkt und aufgewärmt begutachteten wir noch die nähere Umgebung. Unter anderem den Platz, an dem die „Schlernhexen tagen“.

Abwärts ging es dann per Sessellift. Leider mußte Anke ihre erste Fahrt in so einem Ding allein absolvieren. Es war ein Einsitzer-Lift. Sie war froh, als sie unten festen Boden unter den Füssen hatte… . Die nächste Etappe war dann kein Problem, „La Gondola“ brachte uns zusammen nach ganz unten.

Nach unserer Berg- und Talfahrt wollten wir mal schauen, wo die berühmten Kastelruther Spatzen herkommen. Im Heimatort der Spatzen war es ziemlich voll und es gab für uns nichts besonderes an Architektur zu entdecken. Einmal in die Kirche, einmal aussen rum, eine Gasse entlang marschiert, das wars. Zum Glück führte uns eine Eingebung direkt zu einer kleinen versteckten, unscheinbaren Eisdiele. Das Eis schmeckte lecker-lecker! Eis-schleckend machten wir uns auf den Weg zum Auto und sagte Kastelruth fürs erste „Auf Wiedersehen“. Wir wollten aber in dem Urlaub auf jeden Fall nochmal wieder kommen. Und wenn es nur zum Eis essen ist.

„Zu Hause“ gab es ein kleines Schläfchen und danach Abendessen auf dem Zimmer: Schüttelbrot (hartes, rundes Fladenbrot mit Fenchelsamen und Kümmel drin), hessische Wurst, Pfefferminztee von den Gastgebern und nach Tomaten schmeckende Tomaten vom Kastelruther Supermarkt.
23. Juli – Nigerpass, Karersee, Pordoijoch, Wolkenstein
Die Aussicht war klasse und unserem Kreislauf machte die Höhe recht wenig aus. Wider erwarten war Anke auch recht unternehmungslustig und wir liefen noch etwas dort oben rum. Ambitionen, zu einer Hütte zu gehen, hatten wir an diesem Tag jedoch nicht.
Die Rückfahrt ging dann über Wolkenstein und St. Ulrich. Es war einiges an Verkehr unterwegs und es war nicht so sehr einladend, um einen weiteren Stopp zu machen. So waren wir um 17:00 Uhr zurück.
Zum Abendessen ging es dann zu Fuss zum „Edelweiss“ und wir probierten Gröllnudeln und Knödeltris. Alles war gut und sehr sättigend, wobei die Nudeln nicht so unser Fall waren.
Ankes Notiz am Abend: „Sehr kurvig und anstrengend. Hat trotzdem Spaß gemacht!“
24. Juli – Venedig
Im Anschluss folgten wir den Massen zur Rialtobrücke. Dort war es einfach sehr überfüllt und wir gingen in Richtung Studentenviertel, wo es mit jedem Meter ruhiger wurde. Leider reichte die Zeit nicht, den geplanten Weg in Ruhe fortzusetzen, und wir machten uns gegen 13:00 Uhr zurück und stoppten bei einem kleinen Bäcker, wo wir uns ein kleines Stück Pizza und ein Olivenbrot kauften. Dies war auch noch sehr preiswert.
Eine halbe Stunde später waren wir schon wieder zurück auf dem Markusplatz. Die Schlange um auf den Markusturm zu gelangen, war relativ kurz und so statteten wir der Aussichtsfläche einen Besuch ab. Der Preis für die Fahrt nach oben lag bei 8,- EUR pro Person. Von dort oben hatten wir einen wunderbaren Blick über Venedig, was echt empfehlenswert ist.
Danach hieß es Abschied nehmen von Venedig und uns blieb nur noch Zeit auf dem Weg zum Boot Getränke zu kaufen. Um 15:25 Uhr legte das „Taxi“ sehr pünktlich ab. Um 19:45 Uhr waren wir dann zurück am Brunnen in Tiers.
Ein paar generelle Tipps zu Venedig:
- nicht in der Hauptsaison hinfahren, da zu überfüllt
- am Markusplatz keinen Kaffee bestellen, liegt bei 30,- EUR
- in den Nebenstrassen sind die Getränke viel günstiger und man muss im Sommer SEHR VIEL trinken
- mittags sind die Schlangen, um etwas zu besichtigen etwas kürzer, da viele beim Essen sind
- die Preise für Fahrten mit den „Gondola“ sind kritisch zu prüfen; Gruppen bilden und handeln!
25. Juli – Haniker Schwaige
Nachdem wir heil und ziemlich ko gegen 17:00 Uhr am Auto angekommen waren, fuhren wir noch zum Einkauf nach Tiers um danach Schüttelbrot, Tomaten und Salami zu speisen. Da wir total müde waren, verschwanden wir noch vor 21:00 Uhr in den Betten.
Anmerkung Anke: Die Kühe waren das eine „Problem“. Ein anderes war Ankes Drang, immer und überall mit Wasser zu planschen. Ihr Kletterversuch auf einen Stein an einem Wasserlauf endete mit einem nassen Hosenbein und feuchten Sockenrändern. Somit wurde auch gleich die Wassertauglichkeit der Wanderschuhe getestet. Sie hatten den Test bestanden!
26. Juli – Kölner Hütte, Paolina Hütte, Christomanos Denkmal und Gewitter
Wir überlegten, was wir nun tun sollten. Gleich zurück oder noch zur Rotwandhütte; Laufzeit laut Plan 45 Minuten. Wir entschieden uns für was dazwischen, für das Christomanos-Denkmal (Laufzeit 25 Minuten). Dann wollten wir weitersehen.
In Richtung Canazei (hinter dem Denkmal) sah es wettermäßig sehr unangenehm aus. Am Denkmal angekommen hörten wir es zum ersten Mal donnern und es wurde immer grauer. Da war die Entscheidung gefallen: so rasch wie möglich zurück Marsch Marsch!
Etwa eine halbe Stunde nach der Paolina Hütte wurde das Grummeln heftiger und das Gewitter kam um den Rosengarten herum. So schnell wir konnten, wurden die Regenjacken rausgeholt, Kameras eingepackt und auch die Rucksäcke regenfest gemacht. Hinter uns donnerte es immer mehr.
Auf dem Hinweg waren Murmeltiere zu hören und ein Kolkrabe machte auf einer Tanne Lärm. Bis auf das Donnergrollen war nun nichts mehr zu hören. Zwischenzeitlich konnten wir nur noch die Köpfe schütteln: wir beeilten uns, in Richtung „Heimat“ zu kommen, weg von dem Gewitter. Andere liefen noch seelenruhig in die Ecke, aus der das Gewitter aufzog.
Das letzte, sehr steile Stück kurz vor der Kölner Hütte waren wir nur noch am Schnaufen und die Zunge hing uns aus dem Hals. Als wir grade unter dem Vordach der Hütte angekommen waren, ging der Regen in Hagelschauer über und das Gewitter war direkt über uns.
Nach etwa 15 endlosen und kalten Minuten war das Ganze fast vorbei. Wir traten bei leichtem Tröpfeln den Rückweg per Sessellift an. Im Tal war es kaum nass, in Tiers tröpfelte es nur ein wenig. Dafür begrüßte uns im Ort ein besonders ländliches Aroma, das sich sogar in unserem Zimmer breit machte.
Nach einer warmen Dusche ging es uns besser und wir genossen erst einmal Pfefferminztee, bevor wir im Gasthof Laurin zu Abend aßen. Es gab Gulasch mit Knödel für Jens, Anke hatte Truthahnschnitzel mit Bratkartoffeln. Beides war leider sehr salzig, Preisleistung war aber ok.
Um 21:00 Uhr setzten wir uns noch eine Weile nach oben in den Aufenthaltsraum bei Trompedellers und bestellten uns eine Flasche Rotwein, um den Tag ausklingen zu lassen.
NACHTRAG:
Vor uns hatten wir eine Familie, bestehend aus einem Mann, zwei ältern Kindern, einer Frau mit etwa einjährigem Kind auf dem Rücken und einer weiteren Frau. Die weitere Frau fragte die mit dem Kind auf dem Rücken, ob sie auf sie warten solle. „Nein, Du brauchst nicht warten. Wir botanisieren hier noch ein bischen,“ war die Antwort. Sagts und rupft ein gelbes Blümchen ab.
Klasse….
Nun konnten wir uns auch endlich die ganzen abgerissenen Blumen am Wegesrand erklären: es wurde BOTANISIERT!
27. Juli – Tschamintal
Bei unserer ersten Rast am Schafer Leger hörten wir ein Pfeiffen. Jens vermutete Käuzchen dahinter. Es dürften wohl Gämsen gewesen sein, laut Herrn Trompedeller. Weiter ging es, in der Hoffnung Haflinger zu sehen, zum Rechten Leger. Zu Jens´ Enttäuschung sahen wir aber nur die Hinterlassenschaften der Pferde.
Am Rechten Leger machten wir eine halbstündige Pause und genossen die Aussicht auf die Berge in Richtung Grasleitnerhütte und Tierser Alpl. Die Berge waren teilweise von dicken, dunklen Wolken verdeckt. Viele Wanderer waren zu der Zeit unterwegs.
Für den Rückweg benötigten wir nur 1 Stunde 45 Minuten. Wir hatten ja auf dem Hinweg schon alles fotografiert. Wir kamen schwitzend an der Tschaminschwaige an, es war schwül-heiß. Etwas weiter unten im Tal, bei Trompedellers, war es angenehm sonnig mit einer leichten Brise.
Nachdem wir uns einen Capuccino und Prinzenrolle-Kekse auf dem Balkon unseres Feriendomizils gegönnt hatten, fuhren wir zum Hotel Dosses. Hier, im besten Hotel am Platz, wollten wir unseren ersten Hochzeitstag mit einem leckeren Essen ausklingen lassen.
Leider entpuppte sich das Ganze aber als Reinfall des Urlaubs: wir waren um 19:00 Uhr die einzigsten Gäste. Nach einer Weile trudelten die Hotelgäste zum Abendessen ein. Dabei blieb es allerdings auch. Wir bestellten was mit Fleisch, Jens Schwein, Anke Rind. Der Chef persönlich bediente uns. Nachdem er unsere Bestellung aufgenommen hatte, murmelte er im Wegschlurfen, da hinten gäbe es noch eine Salatbar. Lecker, Salat! Nichts wie hin.
Naja, viel Auswahl, aber nicht sehr ansprechend. Außerdem ungekühlt in der Sonne. Wir amüsierten uns mit unserem Salat und das Essen kam. Sehr lecker sah es aus. Es hat auch geschmeckt. Leider stellten wir fest, daß die Soßen gleich schmeckten. Die Rösti sahen alle sehr akkurat aus und schmeckten nach Tiefkühl-Ware. Ein weiteres Ko-Kriterium für dieses Restaurant: die Getränke. Wir haben sie nie erhalten!
Es dauerte eine Ewigkeit, bis Herr Chef sich blicken ließ. Anke mußte ihn rufen, um die Rechnung zu verlangen. Sein Kommentar: „Gehen Sie zu meiner Frau an die Rezeption, die hat die Rechnung.“ Ok, machen wir doch glatt. Das Problem dabei: die Frau war nicht da, mußte erst von einem Angestellten geholt werden. Zweites Problem: „Welche Rechnung? Ich habe keine. – Moment, ich hol sie.“ Drittes Problem: die Rechnung selbst.
Neben den Hauptgerichten und zwei kleinen Salattellern für je 4,90Euro standen einmal Apfelsaftschorle und ein alkoholfreies Bier drauf. Moment! Getränke haben wir nie erhalten, die können gleich gestrichen werden! Ungläubiges Gesicht von unserem Gegenüber. Gemurmel, von wegen: „Typisch mein Mann! Dann muß ich das halt abziehen.“ 45,90 Euro minus 5,40Euro Getränke. Eine einfache Rechnung,……………denkt ihr, liebe Leser! NEIN!!! Ganz und gar nicht! „Das sind dann……39 Euro irgendwas!“ „Nein, 40,50 Euro.“ Wer nun glaubt, sie hat es uns geglaubt, der irrt. Weiterhin Gemurmel und rumgerechne. Jens legte ihr genervt 41,00Euro hin, sie schob den einen Euro wieder zurück, mit dem Kommentar: „ 39 Euro irgendwas.“ „Ok, danke, stimmt so.“ Jens nahm den einen Euro wieder und wir verließen kopfschüttelnd die Einrichtung.
Jens war vor 16 Jahren mit seinen Eltern auch schon bei Dosses essen. Wenn er nicht so begeistert davon gewesen wäre, wäre er mit Anke garnicht dort hin gegangen. Aber so: nach 16 Jahren einmal und NIE wieder!
Genervt aber auch amüsiert ließen wir dann den Abend unseres ersten Hochzeitstages bei einem Schluck Wein im Aufenthaltsraum von Trompedellers ausklingen.
28. Juli – Ruhetag
Das Abendessen nahmen wir in der Tschaminschwaige zu uns: Anke aß Spaghetti mit frischen Tomaten, Mozarella und Basilikumpesto. Für Jens gab es Makkaroni al Arrabiata. Der Nachtisch bestand aus Spaghetti- und Amaretto-Eis.
Auf dem Rückweg zu unserem Auto gingen wir ein kurzes Stück in Richtung Bärenfalle. Wir wollten mal schauen, ob wir uns die Bärenfalle auf dem Hinweg zum Schlern „antun“ könnten. Schnell stellten wir aber fest, daß dieser Weg für unsere ungeübten Wanderbeine und für solch eine lange Tour zu steil, steinig und schmal ist. Wir nahmen uns aber fest vor, bei einem nächsten Urlaub in Tiers eine Tageswanderung in die Bärenfalle zu unternehmen.
29. Juli – Wuhnleger und Tschafon
Wir steuerten den letzten freien Tisch im hinteren Eck des Gartens an und warteten und warteten und … bis uns endlich jemand bemerkte. Leider gab es keine Knödel mit Salat, dafür aber für jeden einen Teller mit Rösti, Speck, Spiegelei und Salat. Dazu zweimal Himbeersirup mit Quellwasser. Die Flüssigkeit in unseren Gläsern verdunstete so schnell, daß wir nochmal eine Runde bestellten. Alles war sehr, sehr lecker. Nach dem Bezahlen durften wir uns noch einen Schnaps aussuchen. Wir entschieden uns für „Latschen”. Ebenfalls Eigenproduktion, wieder sehr lecker.
Gut gefüllt bis oben hin machten wir uns nun auf zum Endziel Tschafonspitze. Laut Plan 20 Gehminuten, für uns allerdings etwas länger, da das Essen schwer im Magen lag und in Kombination mit der Hitze das Laufen nicht vereinfachte.
Wir trafen nochmals auf den Österreicher mit seiner Frau. Die beiden hatten wir auf halber Strecke zum Wuhnleger zum ersten Mal gesehen. Sie machten einen netten Eindruck. Man kam auf dem Tschafon ins Gespräch, was im Berufe raten seitens des Österreichers endete. Es ging in Richtung „Kamera – Fotograf?” „Nein, Buchhalter” „Ok, Kamera – sehr korrekt – Buchhaltung ebenfalls Korrektheit erforderlich.” Schönen Tag, guten Weg.
Endlich oben angekommen, hielten wir es dort nicht lange aus. Es war zu heiß und in der Ferne war wiedermal ein Donnergrollen zu hören. Ein großer Greifvogel, der über dem Tal kreiste, lenkte uns für kurze Zeit ab, ebenso der Schwalbenschwanz, der sich zu Jens´ Ärger nur von Anke fotografieren ließ.
Schnell machten wir uns auf zum Abstieg ins Tal, mit Zwischenstopp am Wuhnleger. Jens mußte ja Libellen fotografieren …
Der gesamte Rückweg fiel uns viel leichter, wir waren sehr rasch unten. Vor Trompedellers Haus angekommen, meinte Jens, er müsse schaukeln; etwas schwierig, wenn man vorne mit Kamera behängt ist und hinten den Rucksack auf hat. Lange saß er nicht oben. Der Rucksack zog ihn nach hinten und plumps, saß er auf der Wiese, die Füße noch auf der Schaukel. Die Kamera nahm zum Glück keinen Schaden. Jens hatte eine kleine Blessur am Kinn und an der Hand. Glück im Unglück!
Nachdem er sich von dem Schrecken erholt hatte, fuhren wir ins Dorf zum Einkaufen. Danach machten wir es uns auf dem Zimmer gemütlich. Wir luden die Fotos runter und packten die Rucksäcke für die Schlern-Tour.
Abendessen gab es von und bei Tropedellers: Speck-Käseplatte und den Rest Wein. Damit wir für die große Tour fit sind, gingen wir früh zu Bett.
30. Juli – Auf zum Schlern – Der Aufstieg
Kurz vor der Rosszahnscharte kam es zu gewagten Schritten in einer Baustelle. Drei „schwere Jungs“ machten den Weg, einer telefonierte, der andere wollte gern ein Stück Baumstamm im Weg quer legen und mit Steinen befestigen. Er mußte aber oft unterbrechen, wegen der vielen Wanderer. Nummer 3 war mit dem Presslufthammer im Fels zu gange.
Schnell war nun das Etappenziel erreicht. Leider wurde die grandiose Aussicht von einer Horde Italiener „versüßt“. Da wir nicht schnell genug auf die Seite sprangen, bahnte sich ein Junge des Trupps mit drängeln den Weg an uns vorbei, in dem er Jens auf die Seite schob. Dies wirkte sehr förderlich auf den Kreislauf, da es mehrere hundert Meter bergab ging. Von den Italienern „getrieben“, lief es sich auch gleich viel schneller, das fotografieren reduzierten wir auf das Notwendigste.
Endlich hatten wir unsere erste Raststation erreicht: das Tierser Alpl. Dort saßen auch schon Herr und Frau Bieber von unserem Urlaubsquartier. – So trifft man sich wieder. Wie die das so rasch geschafft hatten? Die kamen zum Frühstück, als wir gerade fertig waren….
Wir machten es uns drin im Alpl gemütlich und genossen Minzsaft (klebrig-süß aber lecker, mit Minzblättern aus Eigenanbau) und zweimal Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren. Gegen 14:00 Uhr ging es weiter zum Endziel.
Nun folgte der Weg, bei dem die Anton-Männer vor 16 Jahren bergab ihre Kameras einpackten. Dieser, für uns Anstieg, war steil und links ging es weit nach unten und es waren viele hohe Treppenabsätze drin.
Etwa auf der Hälfte dieses Weges kamen wieder mal zwei Personen auf uns zu. Anke setzte zum grüßen an, die Frau grüßte, schaute, Anke schaute, sie schaute. „Frau Barabas?!?!“ – „Anke?!?!“ – Da trifft man mitten in Südtirol auf einem Berg die Mutter von Ankes ehemaligem Grundschul-Kollegen mit ihrem Lebensgefährten…. Kurzes Gespräch und weiter ging es.
Auf dem Hochplatteu konnte Jens endlich Kühe von Nahem fotografieren! Leider ging dies nicht mehr ganz so gut. Sein Rücken plagte ihn und mit der linken Hand ließ sich die Kamera nicht mehr schmerzfrei heben, bücken ließ auch zu wünschen übrig. Die Wolken zogen sich immer weiter zu, es drohte wieder mal ein Gewitter.
Wir waren zum Glück nur noch gute 20 Minuten von den Schlernhäusern entfernt und wir gaben nochmal Vollgas, so gut dies über Stock und Stein und bergan eben geht. Um 16:00 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht.
Die Gaststube war schön warm, unser Zimmer leider nicht. Ein echt uriges Bergsteiger-Zimmer, im Sommer unbeheizt und wenn, dann (wahrscheinlich nur) per Kachelofen machbar. Unser Zweibett-Zimmer war komplett aus Holz, hatte neben dem Kachelofen zwei einzeln stehende Betten, zwei Kommödchen, einen Tisch und zwei Kleiderhaken. Der Ausblick war herrlich, direkt auf den Rosengarten.
Zum Glück gab es aber Toiletten für Männlein und Weiblein getrennt. Nur das Wasser musste man sich im Flur teilen. Ein langes Waschbecken, aus dem abends kaltes und morgens saukaltes Wasser kam. Aber immerhin, wenigstens fließend Wasser und kein Plumpsklo.
Um 18:00 Uhr sollte es Abendessen geben. Die Zeit bis dahin verbrachten wir damit, uns im Zimmer einzurichten und mit fotografieren. Pünktlichst zur angegebenen Zeit gab es Abendessen. Wir bestellten uns eine heiße Tasse Milch und einen Kakao. Der Kakao schmeckte richtig nach Milch. Für Jens gab es noch eine Schwarztee, der sehr leicht und fein schmeckte.
Zu Essen hatten wir uns Spaghetti Ragú (sprich Bolognese) bestellt. Auch dies war geschmacklich sehr gut. Nachtisch gönnten wir uns ebenfalls: zweimal Buchweizenkuchen.
Nach dem Essen verkrümelten wir uns ins Zimmer. Rundherum donnerte es schon und das Lattemar hatte bereits einen weißen Überzug erhalten, ob der aus Hagelkörnern oder gar Schnee bestand, war nicht auszumachen.
Jens las Anke von der Sage des Rosengartens und dem Zwergenkönig Laurin vor, danach schlüpften wir bereits gegen 20:15 Uhr in die Betten. Einschlafen konnten wir nicht wirklich. Etwa eine Stunde später fing das Gewitter dann über uns an zu toben. Erst schlüpfte Anke zu Jens ins Bett, doch dann schlüpfte Jens aus dem Bett und mußte Blitze fotografieren….
Zwei Blitze hatten in den Berg gegenüber eingeschlagen. Die Einschläge waren gut sichtbar, sehr orange und hell. Trotz des Gewitters und auch später, als es sich verzogen hatte, hörte Anke die Glocken läuten: allerdings nur die Kuhglocken. Die Nacht selbst verlief für uns unruhig, im Bett war es zu warm, außerhalb zu kalt. Außerdem schloss unser Fenster nicht richtig.
31. Juli – Schlern – Der Weg zurück
Nach der Stärkung räumten wir das Zimmer und machten uns auf den Weg zum Monte Petz. Die muliartige Bepackung mit unseren Rucksäcken machte uns beim 30-minütigen Aufstieg ziemlich zu schaffen. Obwohl wir nicht mehr „geladen“ hatten als beim Marsch auf den Schlern. Der Aufstieg lohnte sich! Wir hatten eine grandiose Aussicht auf die Seiser Alm, das Lattemar, den Rosengarten und die Alpen in der Ferne.
Anke „vergnügte“ sich gerade mit der Sonnencreme, als Jens rief: „Komm mal schnell, da sind Gämsen!“ Ganz weit weg waren erst zwei Alttiere und drei Jungtiere zu sehen. Sie hielten sich eine ganze Weile auf der Almwiese auf und es kamen noch zwei dazu. Leider rannten sie bald weg und wir machten uns, nach dem obligatorischen Gipfelkreuz-Foto auch auf zum kompletten Abstieg zum Compatsch.
Von oben sahen wir eine Gruppe von Zelten neben den Schlernhäusern stehen. Bei dem Gewitter in der Nacht unter freiem Himmel zelten, wir fanden es ziemlich leichtsinnig. Über den Touristensteig stiegen wir abwärts. Dieser, laut Karte als leichter Weg markiert, war alles andere als das: sehr lang gezogen, steil, wurzelig und steinig. Anders der Weg ab Saltner Hütte bis Panorama Hotel. Dieser war laut Karte ein schwieriger Steig. In Wirklichkeit ging es aber gemütlich bergan über Almwiesen.
Zurück zum Touristensteig. Auf dem Weg dort runter mussten wir einen sehr professionellen Eindruck gemacht haben. Wir wurden von einem bergansteigenden Vater mit seinem Sohn angesprochen, ob wir am selben Tag schon hoch gelaufen seien und ob wir den Weg auf Lang- und Plattkofel kennen würden. Alles mussten wir verneinen.
Andere Leute hatten es nach oben hin so eilig, daß sie Anke am liebsten aus dem Weg geräumt hätten, um sich dann nach 10 Metern auf einem Stein auszuruhen.
Bei unserem Abstieg trafen wir wieder auf unseren „Gipfelstürmer“ vom Vortag. Wieder in Trainingsklamotten unterwegs, lief er den Berg hoch. Er müsste gegen 10:00 Uhr den Touristensteig hoch und über Rosszahnscharte nach drei Stunden runter gelaufen sein. Drei bis vier Stunden für so eine Strecke: nicht schlecht! Leider zog sich der Weg runter und wir konnten den aufsteigenden Morgennebel im Tal nicht genießen.
Anke hatte auch wieder eine kurze Gefahrensituation zu meistern: auf dem Weg standen wiedermal Kühe und Rinder. Jens scheuchte sie, um sein Leben ringend, vom Weg.
Gegen 12:30 Uhr hatten wir die Saltner Hütte erreicht. An der Hütte gab es zur Stärkung Buttermilch, Skiwasser und ENDLICH die lange ersehnten Knödel mit Salat! Jens´ Kommentar: „Was für eine geniale Hinhaltetechnik. Knödel nicht auf dem Tschafon, sondern erst nach der Schlerntour.“ Beim Essen hatten wir einen schönen Blick auf den Schlern. Dort oben auf dem Grat krakselten „arme Irre“ herum.
Mit schweren Füssen, aber vom Espresso beflügelt, machten wir uns auf zur letzten fussläufigen Etappe. Diese führte quer über Almwiesen, vorbei an urigen Hütten, frei laufenden Pferden, umher irrenden Holländern und Falken und Dohlen. Es war herrlichstes Fotowetter. Anke war total von einem großen Wolkenhaufen fasziniert, der sich zu einem Wolkentor entwickelte.
Nach vielen Bildern und einem weiteren Panorama erreichten wir unseren Startpunkt, das Panorama-Hotel. Wir genossen, wie auf der Hochfahrt, die Aussicht und waren froh, daß wir unsere Jacken angezogen hatten. Es war sehr frisch geworden.
Unten am Compatsch war es dann zu warm. Also Jacken wieder ausgezogen und mit „La Gondola“ ganz nach unten zu unserem “Autile”, das auf dem großen Parkplatz auf uns wartete und das Gewitter gut überstanden hatte.
Gegen 17:30 Uhr waren wir dann wieder heil bei Trompedellers „gelandet“. Nachdem die Fotos runtergeladen waren, wurde ausgiebig geduscht, dann ausgepackt. Wir belohnten uns anschließend mit einer Speck-Käseplatte, die wir am Vor-Vortag bei Frau Trompedeller bestellt hatten.
01. August – Stadtbummel in Bozen
Am Busbahnhof war sehr viel Betrieb. Es wimmelte von Reisebussen, die alle schwer bepackte Teenies ausspuckten. Unser Linienbus hatte an seiner Haltebucht keinen Platz, so mußte er Ehrenrunden drehen und uns wo anders einsammeln.
Gegen 15:00 Uhr kamen wir wieder „zu Hause“ an. Jens sortierte Bilder, Anke legte sich für eine Weile hin. Eine halbe Stunde später begann es zu gewittern. Da wir nichts weiter vor hatten, begutachteten wir unsere Urlaubsbilder. Danach bestellten wir oben Spaghetti a la Carbonara, Apfelsaft und Mineralwasser. Die Spaghetti waren super lecker und frisch zubereitet. Bis 21:30 Uhr saßen wir oben, ließen unseren letzten Abend ausklingen und verewigten uns im Gästebuch.
Anmerkung: unser kurzfristiger Spaghetti-Wunsch wurde rasch erledigt von Frau Trompedeller. Normalerweise muss man so etwas am Abend vorher anmelden. Doch auf Nachfrage bei ihrer Tochter, wer denn die Spaghettis wolle („d´Antons“) kam ein klares: „Kein Problem, um halb 8 ist es fertig.“ So was ist Service!
02. August – Schloss Prösels und Koffer packen
Wir lagen früh im Bett, da wir am nächsten Tag eine lange Fahrt vor uns hatten.
